Die Windsbraut. Ein Gemälde.

 

Setzte sich heute der Wind zu ihr

sie striche Wolken

behutsam aus seiner Stirn

und hinge an seinen Lippen

eine Weile lang

ohne lange Weile

wenn er erzählte vom Unbekannten

von all den Phänomenen da und dort

dann verstummte die Hektik der Gräser

sowie die Gaukler und Schwindler

ihre verlogenen Faxen vergäßen

weil das Publikum fehlt das gekaufte

die Claqueure für alle Narzissten

wir sprächen nicht nur über Freiheit

verkörperten sie einfach ganz und gar

wie jeder Windstoß

so selbstverständlich

erfrischend unser Haupt zerzaust.

(©IW, 2020)

die Baumgrenze

 

Verstiegen

hab' ich mich zu oft

in euren kargen Hängen

Enthusiasmus ausgesät

an fahlem Blick vorbei

weit über Baumgrenzen hinaus

gegriffen und vergangen

an mir selbst.

 

In eurem Blickfeld

brachliegen die Mulden

hier kauert Nebel

heften Schwaden sich

an Fersen fest wie Kletten;

und irgendwo dort

verliert sich der Weg

die Tage gleiten ins Abseits

ich wandere fort

vom Grauen

ins Blaue hinein

allein.

(©IW, 2020)

über.Forderung am Redefluss

 

Die Geister scheiden sich

am Redefluss

schießt Un ins Kraut

Unsägliches schwemmt

gnadenlos heran.

 

Der Sonnentau reißt gierig

Mäuler auf, es übertreten

Schattenreize seine Schwelle

unvermittelt kondensiert

die Ohnmacht

in entsetzten Augen.

 

Derweil das Schilf

sich seine Hände

leise knisternd wäscht

in lauter Un

-

Schuld?

(©IW, 2020)


Jetzt (Fotografie)
Jetzt (Fotografie)

 

 

Jetzt

 

Wie gerne

wäre es Sommer

geblieben

sind Krähen zuhauf

sie brechen ihr schwarzes Gezänk

vom Zaun und

Windbäume wabern von Norden heran

verbiegen ihr Rückgrat wie Greise

ein Acker zieht Furchen ins Jetzt

es bietet Erkalten

die Stirn

solange

es geht.

(©IW, 2019)


Mauerblümchen (Fotomontage)
Mauerblümchen (Fotomontage)

das Mauerblümchen

 

Im Angesicht der Finsternis

versteinert ungerührt Geborgenheit

bis zur Unkenntlichkeit

umnachten Lippenblütler auch bei Tag.

 

Doch hinter seiner rauen Schale

regt sich

in einem Spalt aus Licht

Gespür

sagt sich das Mauerblümchen los

von seiner Traumhaft

spricht von nun an traumhaft

ganz für sich allein.

(©IW, 2019)

behütet (mixed media)
behütet (mixed media)

Frühlingsgefühle (Fotomontage)
Frühlingsgefühle (Fotomontage)

Frühling im Kopf

 

In deinen Faltentälern

hält sich der Nebel bedeckt

früh morgens

sticht jeder Lichtstrahl im Ungelenk

die Geier gieren nach Beute

doch heute

gehen sie leer aus

deinen Augen hebt sich der Tag

sprießt lindgrün das Neue und

unter dem Herbstwind

verstecken die Lerchen ihr Nest

der Gesang verdreht

meinem Flußlauf den Kopf

wir staunen uns jung

von der Mündung hinauf

bis zur Quelle.

(©IW, 2019)

Frühling im Kopf (Fotomontage)
Frühling im Kopf (Fotomontage)

 

 

Weigelie

 

Eine Weigelie blüht

in meinem Garten Eden

sie darf nicht

in den Himmel(n) wachsen

mahnt ihr beharrlich

Jahr für Jahr.

 

Ich schneide sie zurück

beschneide mich

es ist wie sterben.

(©IW, 2019)

Das Leben ist bunt. (digital art)
Das Leben ist bunt. (digital art)

Zugvögel (Fotografie)
Zugvögel (Fotografie)

ungestillt

 

Am Meerbusen

brachliegen Boote im Tang

gestrichen die Segel

die Kiele noch nicht

ungestillt

klopfen die Seile am Mast.

 

Der Wind hat gedreht

an den Dünen

streut Sand in die Augen

der letzten Verträumten

das Seegras fügt sich gebeugt

seiner Strenge.

 

Ein Paar in der Ferne

wirft Lachen

den Möwen zum Fraß vor

und während sie zanken

treibt Tatendrang Kraniche

vor sich her fort von hier.

 

Ihr flirrender Ruf vibriert

in verkrusteten Adern

die Herztür fliegt auf und

wo ist mein Süden?

(©IW, 2019)


 

 

ohne Worte

 

Aus allen Wolken gefallen

gebärden sich Schneeflocken

im Wind

erzählen in jeder Sprache und keiner

voll fraktaler Schönheit

von ihrer Nähe zu mir

von Tango und Rumba in meinem Arm

kein Tänzer senkt und erhebt sich

so mühelos über die Schwerkraft

ich reiche ihnen die Hand

(ver)führe mit meiner Wärme

bis sie auf mir weinen

um uns.

(©IW, 2019)

das blaue Kleid (mixed media)
das blaue Kleid (mixed media)

Sedimente (digital art)
Sedimente (digital art)

Altlasten

 

Hinter jedem Wortstamm gräbt sie nach Trüffeln

dann ist der Nährboden aufgewühlt - sie auch

fruchtbar hätte er sein können doch

alt lastet ein Bodensatz unter der Hörschwelle

er verdichtet sich selbstredend

zudecken ist leichter als zugeben

Vogel Strauß macht Politik zunichte und

unter diesem Druck verhärtet sich das Leben

bildet nicht viel mehr

als Sedimente.

 

Nach Trüffeln gräbt sie weiterhin

und erntet Ammoniten.

(©IW, 2018)

 

 

 

 

 


auf der Kippe

 

ziellos und gelangweilt

trödelt eine matte Brise

durch lichtgesättigtes Gelb

Weizenähren wiegen träge wippend

ihre Reife gegeneinander ab

der Bach tänzelt nicht mehr

reglos döst sein Bett

liebestolle Grillen raspeln schamlos

ihre dürren Beine um die Wette

der Lähmung zum Trotz

aus verdorrten Kehlen

nirgends ein Laut

als stünde die Zeit

doch still

ein Antippen nur

und der hohe Sommer kippt in den Herbst

(©IW, 2017)

 

 

 

wildes Land (digital art)
wildes Land (digital art)

Mais (Fotografie, überarbeitet)
Mais (Fotografie, überarbeitet)

Afrika

 

Nacht brandet gegen deine Stirn und meine

ihre Gischt erbricht dort unaufhaltsam

die einzige Laterne bewirft uns

schein-heilig

durch Lamellen der Jalousie

Zebrastreifen aus Licht und Schatten

häuten unsere Körper wegweisend

schneiden sie in Scheiben

Zebras streifen unterdessen

durch dich und deine Träume

körperlos frei - so gern

wolltest du einmal

nach Afrika

(©IW, 2018)

 

 

 


das Gastmahl


Stählern bittet der See zu Tisch
auf Messers Schneide serviert er
Sahnewölkchen in Kristallschalen
artig nickt das Schilf
sie ab beflissen auch
der Wind haucht seine Seele aus
und krümmt der Perfektion
kein Haar mehr.


Zwischen den feinen
G(e)ästen ohne Unterleib
hängt mein Lächeln
am seidenen Faden
Netze aus Konsens
werden ausgeworfen
um es einzufangen doch
unter der Fassung des Aquamarins
suhlen sich meine Molche
im schlammigen BioTaupe.
(©IW, 2018)

 

 

 

Haus am See (Fotografie, überarbeitet)
Haus am See (Fotografie, überarbeitet)

zündende Idee (digital art)
zündende Idee (digital art)

Pulsare


In einem stillen Arm
der Milchstraße sprachen sich zwei
freimutig aufeinander zu
mit dem wundersamenden Ziel
sich zusammenzuschweigen
als Erlösung von Gesetz-Mäßigkeiten
jenseits aller Gravitation oder Fliehkraft.


Notgedrungen
schwiegen sie schließlich
auseinander
nicht weil es nichts
zu sagen gäbe
sondern zu viel.


Worte sterben manchmal
als Supernova
ihre universelle Energie aber bleibt
ein ewiges Pulsieren.
(©IW, 2018)

 

 

 


Mama Ätnas Übelkeit


Sie werfen sich Kopf über
Bord wollen überbordend
mehr als bloß
Meer Enge sein
bei Gibraltar und östlich
schwimmt Afrikas Scholle nordwärts
ihre Wiege schaukelte einst unsere Kinder
nun kentert sie vor 'Mama Ätnas' Füßen
erschüttert übergibt die sich
und Sizilien Neuland
vernichtend und fruchtbar zugleich.
(©IW, 2018)

Magmastrom (digital art)
Magmastrom (digital art)